Freitag, 14. Januar 2011

über senf und kommunismus.

viel wurde geredet in letzter zeit. in zahlreichen diskussionen wurde – mal mehr, mal weniger geistreich – über lötzschs äußerungen zum kommunismus debattiert. das thema kommunismus hat anscheinend auch heute, nach etwa 150 jahren der diskussion und auseinandersetzung, noch nichts an seinem ursprünglichen konfliktpotential verloren. man möchte sagen, dass die ganze debatte an sich, durch einen – meines erachtens eher langweiligen und unschockierenden aufsatz – wie ein alter, faltiger luftballon neu aufgeblasen wurde und inzwischen sarrazinsche ausmaße angenommen hat. nun, an dieser stelle, möchte auch ich meinen senf dazugeben!

verständnislos beobeachtete ich bisweilen die debatte. die einschlägige presse – allen voran natürlich die regenbogenseiten – berichtete in reißerischer form über lötzsch. ich bin mir sicher, dass nicht einmal die hälfte der journalisten und redakteure, ebensowenig wie der rest der nun leidenschaftlich debattierenden bevölkerung, den ganzen aufsatz gelesen hat.

deshalb möchte ich die handvoll leser dieses blogs – vermutlich bestehend aus meiner mutter, meinen schwestern, meinen mitbewohnern, fabian, max und jan-erik – dazu auffordern sich erst mit dem ursprünglichen text, so wie er in der jungen welt publiziert wurde, auseinander zu setzen.

http://www.jungewelt.de/2011/01-03/001.php

vorgeworfen wurde lotzsch, dass sie den kommunismus herbeirufen wolle und die abermillionen opfer des stalinismus verschweigt. diese undifferenziertheit, mit der der text besprochen wird, ist für mich unerklärlich. lötzsch ruft nicht zur revolution, noch ruft sie zum kommunismus auf!

ihr aufsatz war ein beitrag zur debatte über kommunismus. dass sie dabei den weg des demokratischen sozialismus anstatt des kommunismus bevorzugt, wird sehr gut deutlich, wenn man sich alleine den ersten abschnitt ihres textes anguckt, indem sie einleitend ihre intention darlegt und bezug zum thema kommunismus schafft. im ersten abschnitt des textes taucht das wort „kommunismus“ genauso oft wie in den folgenden fünf abschnitten auf, indem sie ihre sicht der dinge darstellt. sie distanziert sich folglich in einer klaren art und weise zum stalinistischen terror, indem sie sich auf rosa luxemburg bezieht, die einen gänzlich vollkommen anderen weg zum kommunismus suchte.

Wenn Kommunismus das Gemeinschaftliche betont und der Liberalismus den einzelnen, dann wollte Rosa Luxemburg beides zugleich – höchstmögliche Gemeinschaftlichkeit bei der Kontrolle darüber, daß Eigentum und Macht im Interesse aller gebraucht werden, und größtmögliche Freiheit individueller Entfaltung, radikaler Kritik und Öffentlichkeit.“

ich finde gerade in ihren gedanken wird das kommunistische dilemma mehr als deutlich. es gab in der geschichte abertausende wege, den kommunismus zu erreichen. der kommunismus ist also keine homogene bewegung. es gibt marxisten, leninisten, maoisten, trotzkisten, stalinisten und viele mehr. zum teil sind diese strömungen miteinander dermaßen verfeindet, dass sie z.b. im spanischen bürgerkrieg, als es galt gemeinsam den drohenden faschismus francos zu bekämpfen, ihre waffen gegen die leute in den eigenen reihen richteten.1 die art von kommunismus, die gerne als paradebeispiel in den einschlägigen diskussionen herhalten muss, sprich der stalinismus, wird von mir persönlich, also aus einer trotzkistischen sicht der dinge, gar nicht als kommunismus aufgefasst.

ganz im gegenteil. stalinismus bedeutet nichts weiter als das fortbestehen alter, faschistischer strukturen und hierarchien. demnach ist der stalinismus für uns trotzkisten ein noch größerer feind als der kapitalismus/imperalismus. unter dem deckmantel „kommunismus“ wird so eine terrorherrschaft herbeigeführt, die in größtmöglichen widerspruch mit den eigentlichen zielen des kommunismus steht. der stalinismus ist ein faschistisch-reaktionistisches werkzeug zur verteuflung des kommunismus. und der stalinismus zeigt seine wirkung! denn nicht sonst gäbe es solch einen gesellschaftlichen aufschrei. die menschen assoziieren stalinismus mit kommunismus.

gerade deshalb ist es von nöten, dass der stalinismus in unserer gesellschaft differenziert wieder aufgearbeitet wird und ein allgemeines, unvorbelastetes bewusstsein über die heterogene bewegung des kommunismus geschaffen werden kann. es wäre wünschenswert, wenn eine objektive, unbefangene herangehensweise in unserer gesellschaft möglich sein würde. ich bin mir dessen bewusst, dass dieses unterfangen sehr schwer umzusetzen wird. der mensch ist dazu geneigt, in schwarz-weiß/gut und böse zu denken. ich hoffe, dass ich mit meinen gedanken ein wenig dazu beitragen konnte, aufzuweisen, dass dieses simple kategorische denken in der politischen diskussion nicht angebracht ist.

über das unvermögen gesine lötzschs, diesen sachverhalt ihren widersachern und kritikern begreiflich zu machen bin ich dennoch erstaunt. ich denke, dass mit der von mir dargelegten herangehensweise eine ganz andere basis für eine diskussion geschaffen werden würde. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1233944/Die-Linke-und-der-Kommunismus

in dieser diskussionsrunde wird das dilemma gut deutlich. natürlich schlagen alle leute immer wieder in dieselbe kerbe, indem sie auf den staatsterror der ddr und sowjetunion hinweisen, der mit allen kommunistischen theorien in einen topf geworfen wird. zwar versucht Lötzsch an einigen stellen darauf hinzuweisen, dass die linke für einen demokratischen weg steht, dennoch gelingt es ihr nicht für klare verhältnisse zu sorgen. bemerkenswert ist auch die unkenntnis der anwesenden politiker. obwohl die meisten anwesenden berufspolitiker sind, haben sie ein sehr naives und eingeschränktes bild vom kommunismus. es ist offensichtlich, dass die inhaltliche auseinandersetzung mit dem kommunismus noch nicht einmal bei politikern stattfindet und sie ein, mir unglaublich erscheinendes, unvermögen bzw. desinteresse aufweisen, den kommunismus in seinen grundzügen überhaupt zu verstehen. versteht man den kommunismus nicht, so ist eine diskussion über ihn vollkommen sinnlos.

genauso wenig erscheint es mir sinnvoll, ohne vorkenntnisse über quantenphysik zu streiten. kennt man die physikalischen regeln und grundsätze der quantenphysik nicht, so wäre es klüger man erspart sich seinen beitrag am wissenschaftlichen disput.


1 einen erkenntnisreichen einblick über diese wirren und konfusen verhältnisse gewinnt man in george orwell's erlebnisbericht „mein katalonien“. dort bechreibt er wie stalinistische gruppierungen versucht haben, den widerstand von trotzkistische milizen zu säubern.

Samstag, 25. Dezember 2010

ohne worte.

in was für einem land leben wir eigentlich?

antworten liefert: http://npd-blog.info/?p=2619


Mittwoch, 1. Dezember 2010

über wut.

wut müsste (im globalen kontext) aufstaubar sein um dann auf einmal, in einer plötzlich stattfindenden aktion, zur entladung und kontrollierten entfaltung zu kommen. so wäre die wut kein flüchtiger gemütszustand, sondern ein immer abrufbares, folglich geeignetes, mittel um an den bestehenden verhältnissen zu rütteln und sie letztendlich zu zerstören.

Mittwoch, 18. November 2009

Erfahrungsbericht: Erlebter Machismo in Nicaragua.

Der vorliegende Bericht ist sicherlich einer unter vielen der versucht, den Machismo zu beschreiben. Dennoch hatten wir das Verlangen, einen Teil unserer gewonnenen Erfahrungen zu veröffentlichen. Der Bericht ist nur ein grober Auszug über unsere Erlebnisse die wir mit dem Machismo hatten. Es wäre unmöglich alle Gedanken in einen Artikel zu stecken, da man in Nicaragua jeden Tag aufs Neue mit Machismo konfrontiert wird, da die meisten sozialen Handlungen bzw. Verhaltensweisen aus ihm resultieren. Man könnte damit Bücher füllen. Deshalb werden viele Aspekte (z.B. Gewalt gegen Frauen, Rolle der Religion,...) an dieser Stelle nicht erwähnt.

Ich erinnere mich als ob es gestern war. Ich war erst zwei Wochen im Land, fühlte mich allerdings schon pudelwohl. Ich saß im Auto mit meinem Gastvater, nur wir beide und schwiegen vor uns hin. Um die bedrückende Atmosphäre aufzulockern, begann er ein Gespräch unter vier Augen – von Vater zu Sohn. „Du musst zusehen, dass du schnell ein paar Freundinnen findest!“ kam es aus dem Mund des Familienoberhaupts. Ich schaute ihn schräg an, spielten mir meine fehlenden Sprachkenntnisse etwa einen Streich oder hatte ich ihn richtig verstanden? Ein paar Freundinnen? Ich entgegnete ihm: „Ja, mal sehen. Aber reicht nicht erstmal eine?“ „Nein, hier in Nicaragua ist das so. Da darf ein Mann noch mehrere Frauen haben. Das mach ich auch so!“
Ein wenig schockiert und besorgt um die Familienidylle kamen wir zu Hause an. Ich stieg aus und ging ins Bett. Einschlafen konnte ich jedoch nicht sofort. Fragen schossen mir durch den Kopf: „Was ist, wenn ich aber nur eine Freundin habe, oder noch schlimmer gar keine?“ Ich fühlte mich unter Druck gesetzt. „Was ist, wenn meine Gastmutter von dieser dunklen Seite ihres Gatten erfährt? Oder hat sie etwa auch mehrere Männer und die beiden führen ein Doppelleben?“ Manche Menschen finden so etwas ja toll. Sollte ich mit ihr drüber reden? Aber dann hätte ich eine mögliche Scheidung mit zuverantworten und ich war doch erst zwei Wochen hier als Gast, hatte also gar nicht das Recht mich einzumischen.
Schließlich entschied ich mich mit ihr über die Untreue der Männer in Nicaragua zu unterhalten: „Ach die meisten sind doch Mistkerle! Viele haben andere Frauen, Mein Mann hat mich früher auch betrogen! Deshalb ist er auch nicht die Liebe meines Lebens.“ Das Haus gehört ihren Eltern, ihre Schwestern schicken regelmäßig Geld aus den USA und tragen so den Löwenanteil am Lebensunterhalt bei. Sie ist also unabhängig von ihm. Warum also duldet sie sein Verhalten und hat ihm noch nicht den Laufpass gegeben?
Das war mein erster Kontakt mit dem Machismo. Ich denke als junger Mann begegnet man dem Machismo ganz anders als eine junge Frau. Man hat die Chance in ihn einzutauchen, die Verhaltensformen zu verstehen und vertrauliche Gespräche mit den Männern zu führen. So konnte ich in unzähligen Männergesprächen lauschen, wie Frauen, nach Ansicht der Männer, behandelt werden wollen und wie man sie zu behandeln hat.

Mit der Zeit erlebte ich durch meine Arbeit und durch meine sozialen Kontakte den sozialen Druck der auf Schultern eines Heranwachsenden lastet. In meiner Arbeitsstätte kamen täglich Kinder um in verschiedenen Kursen teilzunehmen oder sich aktiv in Workshops weiterzubilden. Bereits im Kindesalter ist der Konkurrenzkampf enorm. Jeder Junge adaptiert das Verhalten und Vokabular der Männer; so pfeifen bereits neunjährige Buben erwachsenen Frauen nach, erfinden die abstrusesten Geschichten und geben untereinander mit ihren Schulfreundinnen an. Wer da nicht mithalten kann, gilt schnell als anders oder homosexuell. Es gilt seine soziale Position von mal zu mal klarzustellen und den anderen im Wettlauf durch seine Geschichten auszustechen. Man kann also sagen, dass man durch die Erwartungen der Gesellschaft an seine Rolle, in ebendiese unweigerlich hineingedrückt wird.
Doch auch die Mädchen lernen schon schnell, worauf es ankommt um der Frauenrolle gerecht zu werden. So musste meine siebenjährige Gastschwester täglich Besorgungen für ihre Mutter und vor allem für ihre patriarchalisch veranlagten Brüder machen – die stets mit Kartoffelchips und Cola auf der Fernsehcouch versorgt werden wollten.
Auch meine Arbeitskollegen, die durch die Arbeit gegen den Machismo kämpfen, waren nicht vom Machismo losgelöst. Er wurde nach wie vor, wenn auch in abgeschwächter Form, von den Männern praktiziert und von den Frauen akzeptiert. In der ersten Zeit hatte ich Probleme damit, zweifelte an der Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit und hielt manche Momente während der Workshops und Aktionen gegen den Machismo zum Teil für nicht glaubwürdig. Erst mit der Zeit begann ich zu verstehen, dass man nicht von heute auf morgen verlangen kann, die Ketten des Machismo abzulegen. Das hätte die gesellschaftliche Ausgrenzung bzw. Isolation des jeweiligen bedeutet, was in einem Land, dessen Gesellschaft derart durch soziale Beziehungen und Abhängigkeiten verwoben ist und durch soziale Kontrolle aufrecht gehalten wird, ein absolutes Debakel wäre.

Sonntag, 13. September 2009

achtung achtung...

ab jetzt und sofort: ALLE 4 QUARTALSBERICHTE RUNTERZULADEN!!! HOL' SIE DIR ALLE...

download unter: http://www.fileuploadx.de/770757

oder direkt im mediamarkt nachfragen.

bin draussen. peace!

Mittwoch, 10. Juni 2009

mama in nica. jetzt komplett.






Endlich tut sich mal wieder was hier auf meiner seite! Nach etwa 5 monatiger schreibblockade die wohl aus einer gewissen motivationslosigkeit resultierte schlaegt dieser artikel ein wie eine bombe!
Die folgenden zeilen werden euch von meiner zeit mit birgit (im folgenden artikel nur mutti oder muttern genannt) hier vor ort berichten. Eigentlich wollte ich diesen eintrag zusammen mit mutti verfassen, sind in der kurzen woche, die sie nur hier war, leider nicht dazu gekommen.

Montag, 13/04/09
Ich befinde mich auf dem weg zum flughafen im auto mit meinen gasteltern doña norbis und don Ramiro sowie mit Yaritza, meiner kleinen schwester. Solangsam merke ich, dass ich von kilometer zu kilometer nervoeser werde.

Folgende fragen sind nicht aus dem Kopf zu kriegen:
Ist muttern wohl in den richtigen Flieger gestiegen?
Hat sie es ueberhaupt nach Atlanta geschafft?
Wird sie mich wohl wiedererkennen?
Und vor allem:
Wieviel schokolade bringt sie mir mit?

Letztendlich kommen wir mit dem, von Ramiro extra von seiner Arbeitsstelle, der Alcaldía (Rathaus) ausgeliehen Pick-Up um ca. halb 8 abends am Flughafen an. Mutterns flug hat verspaetung, meine aufregung kennt keine grenzen mehr und lasse das Kofferband nicht mehr aus den augen, das man durch eine grosse Glasscheibe von aussen beobachten kann. Schliesslich kommt eine fuer nicaverhaeltnisse ueberdurchschnittliche grosse, duenne und weisse angesprintet. Das bild ist grotesk: mit ungelenken bewegungen versucht die person einen roten koffer vom band zu ziehen. Der koffer kommt mir bekannt vor. Das muss meine mutti sein!
Schliesslich passiert sie den zoll und ich kann sie ramiro und norbis als doña luisa maria (was hier gebraeuchlicher und leichter auszusprechen ist als birgit).
Ich bekomme einige sehr herzliche umarmungen und muss danach immerwieder mein t-shirt und meine brille zurechtruecken!
Im auto reden wir ein bisschen und doesen letztendlich ein. Um viertel vor 12 nachts kommen wir zuhause an. Die erste nacht schlafe ich noch mit muttern in einem bett. Ihr kamen die geraeusche und gerueche die durch den wind durch die luft wehen seltsam vor und wirkt leicht verstoert. Ich springe also ueber meinen eigenen schatten und tue ihr den gefallen – obwohl ich mir von der gefahr bewusst bin, am naechsten tag von meinen gastgeschwistern ausgelacht zu werden!

Dienstag, 14/04/09
Als ich wach werde, liegt mutti lesend im bett. Wir fruehstuecken gemeinsam, sie duscht sich nach kurzem protest mit kaltem wasser und benutzt sogar das klo. Danach gehen wir raus und ich zeige ihr condega bei tageslicht. Wir schlendern durch die strassen, den park, hoch zum flugzeug, runter zum friedhof und sie staunt ueber die farbenfroheit condegas und ueber die freundlichkeit der menschen, die sie mit interessierten blicken, freundlichen laecheln und einem frohem “adiós” auf den lippen begruessen. Ich zeige ihr meine arbeitsstelle – inprhu – wo sie von allen herzlich empfangen wird. Ihr gefaellt die atmosphaere wie sie mir spaeter mitteilt. Alle lachen und machen witze. Es wird viel ueber mich geredet. Ich uebersetze ihr alles ins deutsche. Ich bin tuechtig, fleissig, nett, zuvorkommend, hilfsbereit, motiviert, kreativ, jung, dynamisch, flexibel, spontan, ein guter zuhoerer, ein noch besserer liebhaber und sehe verdammt gut aus. Alles keine neuigkeiten.
Leider sind im projekt keine kínder da. Es wird das dach ausgetauscht – inprhu gleicht von daher eher einer baustelle. Nichtsdestotrotz wird unter baukrach spontan eine kleine versammlung mit allen mitarbeitern eingerufen um mutti gebuehrend zu empfangen. Ich uebersetze, leider ist diesmal marcel – der andere deutsche dabei – als kontrollorgan sozusagen. Nachdem eine kleine fragerunde abgehalten wird, laed man mutti und mich zum abendessen ein ins gualca (name des restaurants. Anm. des Autors).
Natuerlich kommen wir.
Eine stunde vor der verabredung im gualca stelle ich mama meine freundin mariling vor. es ist ziemlich stressig fuer mich zu uebersetzen, da sich in kuerzester zeit alle tanten und cousinen um mutti versammeln und die bescheuertsten fragen stellen. Ich habe muttern allerdings bereits schon vorgewarnt, dass marilings grossfamilie, die im selben block wohnt, laut, anstrengend und auf dauer unausstehlich ist. Endlich ist es zeit zum gualca zu gehen, dass nur zwei bloecke weiter liegt.
Im Gualca wird dann toña, victoria und brahva probiert. die drei verschiedenen biersorten. Zudem gibt es lecker essen – reis, pommes, frittiertes huehnchen, salat und speziellen ketch up. Lecker. Die spasskurve steigt mit jedem bier weiter an, sinkt dann allerdings rapide ab als wir uns verabschieden.
Morgen ist ein anderer tag.

Mittwoch, 15/04/09
Den vormittag verbringen muttern und ich in estelí, der „grossen“ stadt. Es sind besorgungen zu erledigen, ua muesli kaufen, geschenk fuer meine arbeitskollegin tatiana besorgen, die an diesem tag ihren geburtstag feiert, bei mir gegenueberwohnt und uns eingeladen hat, schmuck fuer justine kaufen und andere kleine sachen.
Wir nutzen die zeit und besuchen die anderen deutschen aus bielefeld die in estelí wohnen. Muttern sagt mir, dass ihr estelí nicht gefaellt, weil es laut, stinkend und anstrengend ist. Da sind wir uns einer meinung. Nach einem kurzen besuch bei meinen freunden machen wir uns wieder auf die socken nach condega.
Am nachmittag gehen wir fruechte einkaufen, da wir fuer tati und ihre gaeste einen vanillepudding von dr. oetker, mit fruchtsalat machen wollen. Wir kaufen ananas, wassermelonen und honigmelonen. Am spaeten nachmittag bereiten wir dann den pudding in der kueche tatianas zu. Wir teilen uns die ca. 8 quadratmeter grosse kueche mit 4 anderen personen. Ich stecke viele ellenbogehiebe ein, bin allerdings selber tuechtig am austeilen. Zahlreiche kochsendungen mit alfred bioleck haben mich gepraegt – kochen bedeutet kampf. Kampf um platz, toepfe, loeffel und zuschneideplatten. Letztendlich wird unser pudding allerdings noch fertig und stolz stellen mutti und ich das ergebnis in den kuehlschrank um alles abkuehlen zu lassen.
Dann wechseln wir die klamotten und ziehen uns schicke an. Tatiana ist eine lausige gastgeberin und hat das wichtigste vergessen, weshalb sich ihre gaeste - immerhin ca. 8 personen - sich ihren alkohol selbst kaufen muessen.
Nichtsdestotroz ist alles fluschig. Alle sind gut gelaunt, marcel kuemmert sich ausgezeichnet um muttern, sodass ich mir auch mal einen augenblick frei nehmen kann. Zudem wird versucht, mit meiner mutter englisch zu reden, was allerdings klaeglich scheitert und in schallendes gelaechter endet. Um ca. 22.30 schleppe ich mutti heim, kehre allerdings zur fiesta zurueck, um mit meinem gastbruder die rumflasche zu leeren und mit den anderen in meinen geburtstag reinzufeiern. Leider gehen alle schon vorher, mein gastbruder auch, weshalb ich die rumflasche alleine austrinken muss. Ich schlafe auf dem sofa ein, werde kurzzeitig von tatiana geweckt um beglueckwuenscht zu werden, ratze daraufhin allerdings sofort wieder ein.

Donnerstag, 16/04/09
Mein Geburtstag! Ich werde von Julio um 8 uhr geweckt, habe die nacht auf dem sofa verbracht! Verpeilt wache ich auch und nehme glueckwuensche und geschenke von ihm und tatiana entgegen. Nach einem ermattetem „gracias“ gehe ich mit bauchschmerzen nach hause. Mutti ist schon wach und wuenscht mir alles gute, genauso wie doña norbis, die mir als erste begegnet. Als muttern mir die aus deutschland importierten geschenke gibt werde ich gleich munter! Ein buch, ein hemd meiner schwestern und, worueber ich mich am meisten gefreut habe: ein basketballshirt vom fc stukenbrock inklusive foto meiner mannschaft daheim wurde mir vom david mitgeschickt. Ich freue mich sehr ueber die geschenke, vor lauter freude kriege ich kaum was beim fruehstueck runter. Vielleicht lag das aber auch am karter. Nach einer dusche ziehen wir los zum inprhu, wo mir gerardo eine ueberraschung versprochen hat. Ich ahne schlimmes, da ich gerardo zu seinem geburtstag einen streich gespielt habe, so wie das hier sitte ist. Mir wird die brille abgenommen, ich bin kraftlos und setze mich nicht zu wehr, versuche nicht zu fliehen, so wie ich es sonst getan haette, und lasse alles ueber mich ergehen. Nachdem mir ein t-shirt uebergeben wird, muttern kriegt auch eins geschenkt, wird mir eine hand voll glitzepulver ueber den kopf geschuettet – mutti haelt mit ihrer kamera voll drauf. Alle haben ihren spass und man verpasst mir den spitznamen cinderella. ich bewahre die ruhe, bin ausgeglichen, und lade meine arbeitskollegen trotz dem ganzen verbockten mist abends zu mir nach hause ein.
Danach unternehmen wir beide eine weitere erkundungstour in condega. Ich zeige ihr den nahegelegenen fluss. Wir baden unsere fuesse im frischen wasser, schauen ein paar kindern beim baden zu und lassen den augenblick auf uns einwirken.
Wieder bereiten muttern und ich einen obstsalat zu. Doña norbis macht extra enchiladas fuer alle! Zu fuenfzehnt stossen wir schliesslich an. neben meinen arbeitskollegen kommen noch mariling und andere freunde aus meiner strasse. Die stimmung ist heiter und wir lachen viel. Dann um halb 11 wird ins bette gegangen. Morgen ist naemlich Freitag und es geht auf ans meer!

Freitag, 17/04/09
Heute ist Freitag und es geht auf ans meer!
Um 10 Uhr morgens nehmen wir den bus nach leon. Von meinen freunden in estelí wird mir der tip gegeben, auf meine mutti ruecksicht zu nehmen und lieber den sehr grossen umweg ueber managua zunehmen – sozusagen im dreieck - statt direkt nach leon zu fahren, da die strasse angeblich eher einer mondlandschaft gleicht und man durchgeschuettelt und durchgeruehrt wird wie mixmilch.
Muttern und ich ignorierten die gutgemeinten ratschlaege und stuerzten uns ins abenteuer, da wir keine zeit zu verlieren haben! Nach einer anderthablbstuendiger wartezeit am busterminal – die shuttlebusse fahren naemlich erst los wenn alle plaetze belegt sind – gehts dann auch wirklich los.
Die fahrt ist gar nicht so schlimm wie befuerchtet, manchmal rumst es ein wenig, bin das allerdings schon durch meine fahrten in die comunidades, auf deutsch: doerfer, gewoehnt. 2 stunden brauchen wir, dann kommen wir in leon an, nehmen direkt ein taxi um zum anderen busbahnhof zu kommen und informieren uns gleichzeitig beim ueberaus netten taxifahrer. 2 weitere stunden spaeter kommen wir dann nach einer eher ungemuetlichen fahrt, durch 4 streitenden besoffene die die ganze busbevoelkerung nerven, in dem fischerdoerfchen „las peñitas“ an. Unser hotel ist toll, liegt direkt am strand. In der abendsonne erkunden wir den horizonterfuellenden sandstrand, an dem ausser mutti und mir nur krebse rumkrebsen und wuermchen rumlurven – sonst keine menschensseele ist.
Der sonnenuntergang ist traumhaft wie in einem disney film; ich fuehle mich von der kaminofenroten abendsonne gekuesst, werde von ihrem warmen und mildem hauche in wattebaeuschchen der geborgenheit und seeligkeit eingedeckt und abgeschleckt! in sanften bewegungen, im einklang mit den ausklingenden wellen, wandern wir durch das schuechterne meer. Die wellen sind ermattet, den ganzen tag rumzuwellen und –wueten muss muede machen. Ich spuere fieselige salz- und sandkoerner meine fuesse liebkosen, sie durch meine fusszehen gleiten, sie meine kaesemauken vom ewigen schweiss der busreise befreien. sie kitzeln liebevoll meine empfindlichen poren, glaetten meine stolzen hornhautmassen und reinigen mein eitriges huehnerauge. Ich trete auf einen spitzen stein und schreie auf. Das scheissmeer ist verdammt hinterfotzig.
Enttaeuscht gehe ich mit mutti biertrinken und abendbrotessen. (was fuer ein deutsches wort!).

Samstag, 18/04/09
Wir verbringen nach einem fruchtigem Fruehstueck lange Zeit am Strand, lassen uns braeunen und von den gewaltigen wellen umwerfen. Es ist ein freudenspass sich ins meer zu stuerzen, zu versuchen den brutal einstuerzenden wellen standzuhalten und paroli zu bieten, zu erkennen, dass das kaum moeglich ist und als bestrafung der eigenen selbstueberschaetzung vom salzwasser, das in alle koerperoeffnunfen eindringt, durchflutet zu werden. Diese euphorische begeisterung wird nur durch die sorgenden rufe muttis, ich solle nicht so weit rausgehen, ich solle mich nicht von den wellen unterkriegen lassen, ich solle mich erst mit sonnencreme einfetten, ich solle auf die unterstroemung des meeres aufpassen, ich solle nett laecheln fuer ein foto, ich solle mir die tolle muschel angucken die sie gefunden hat, ich solle mir schonmal gedanken machen, was wir uns fuers mittagessen bestellen wollen, ich solle, wenn ich wieder zuhause in condega bin, doch noch meiner gastfamilie fuer alles nochmal danken, ich solle david in einer mail noch danke sagen und meinen schwestern sowieso, ich solle endlich mal die zeitungsberichte schreiben, gehemmt.
Wie immer essen wir pommes zu mittag mit bier.
In der kuehlen abendsonne entschliessen wir uns, eine bootstour zu machen, um die nahegelegende insellandschaft zu erkunden. Nach 3 stunden sind wir damit auch durch. Die inseln sind schoen, wir haben viele voegel gesehen, mangrovenwald, ein kleines krokodil und andere dufte sachen. Allerdings waren 3 stunden uebertrieben viel. Mir gefiel trotzdem das ambiente an sich. In einem wackeligem, aus einem baumstamm geschnitztem und mit einem rasenmaehermotor angetriebenem boot durch die mangrovenwaelder zu fahren und von weissen reihern begleitet zu werden, hat schon klasse.
Morgen ist unser tag der Abreise. Bei einer exzellenten Fischsuppe, Bier und nicaraguanischen Zigarren lassen wir stilvoll den Tag ausklingen, planen wie wir den naechsten Tag verbringen wollen und reden/ diskutieren ca. 2 h (in dem hotel sind die lichter bereits aus – selbst die angestellten sind schon in ihren betten) vor allem ueber meinen abschied in nicaragua, der mir verdammt schwerfallen wird, und wie es danach fuer mich weitergehen koennte.

Sonntag, 19/04/09
Es bricht der letzte volle tag mit meiner mutter an.
Zur vormittagszeit gehen wir ins internetcafe um ein paar emails zu schreiben und mal zu hause in deutschland, bei farina und bei opa´n anzurufen. Wir erzaehlen allen unsere geschichten. Alle freuen sich und alle sind schier auf begeistert.
Danach fahren wir nach leon in die stadt, wo wir unseren letzten tag verbringen wollen und uebernachten muessen um im morgengrauen mit dem bus nach managua fahren zu koennen – zum flughafen um lebewohl zu sagen!
In leon suchen wir uns eine guenstige hospedaje, in der wir uebernaechtigen koennen. Muttern ekelt es ein wenig in der hospedaje, ich aber find das gar nicht so schlimm. Immerhin haben wir das einzige doppelzimmer erwischt und in der hospedaje sind ein haufen junger maedchen („haufen“ nimmt den wert „groesser als“ 20 an), die leider, das war mir vorher gar nicht bewusst, eine halbe stunde nach unserer ankunft, schon wieder abfahren. Enttaeuscht ziehe ich mit mutti los um die stadt und die zahlreichen kolonialkathedralen zu erkunden.nach ungefaehr 6 kichen sind wir allerdings von all den gottes und jesus und mariahaeusern gelangweilt und setzen uns in den park um abzuschalten und uns in den kuehlen schatten zu hocken. Wir schlendern ueber einen kleinen tourimarkt der allerlei tourizeugs anbietet bis wir in das revolutionsmuseum gelangen. Muttern scheint gelangweilt zu sein, ich allerdings bin feuer und flamme, uebersetze alle einzelkeiten fuer mutti und fuege sogar ein paar mir bereits bekannt sachen hinzu. Mutti antwortet mit jedesmal nur mit einem nicken. Nach der fuehrung steigen wir aufs dach des gebaeudes und haben einen supi ausguck! Leider filmt muttern gar nicht wirklich mit der kamera sondern tut nur so, wie sie mir spaeter aus deutschland berichtet. Damit hat sie ein paar super aufnahmen - die stadt, die kirchen, die umliegenden vulkane - schlichtweg versaut. Ich bin trotzdem stolz auf sie, da sie es trotz ihrer hoehenangst es sich gewagt hat, aufs dach zu steigen und auf dem knarzendem aludach rumgetanzt ist. Dieser moment stand fuer mich als symbol der ganzen reise: muttern ist in dieser woche mehrmals aus ihrem altem ich ausgebrochen, hat ihre aengste und besorgnisse ueberwunden und ist ueber sich hinausgewachsen! Ich hoffe, dass die erfahrungen und erlebnisse sie nachhaltig gepraegt und ihr „ich“ geformt haben, dieser prozess nicht nur fuer diese sieben tage gilt, in denen sie hier war.
Was fuer tolle abschlussworte das doch fuer eine tolle woche waeren. Fehlt allerdings noch der morgige tag.

Montag, 20/04/09
Um 3 uhr morgens standen wir auf um ein taxi zum busterminal zu nehmen. Mutti wurde nervoes als wir nach 15 minuten suchen immernoch kein taxi gefunden haben. Schliesslich, und das war mir natuerlich schon vorher klar, krallten wir uns aber einen taxisten der uns in windelseile zum busbahnhof brachte. Dort stiegen wir in den shuttlebus nach managua und fuhren direkt los. Nach einer stunde kamen wir in managua an, waren allerdings gezwungen ein taxi zum flughafen zu nehmen. Um kurz vor 6 betraten wir den haupteingang des flughafens „Augusto C. Sandino“ – benannt nach dem beruehmten revolutionaeren fuehrer nicaraguas, der den kampf zur befreiung seines vaterlandes gegen die yankees aufnahm und hinterhaeltig ermordet wurde.
Nach einem kleinen fruehstueck dann war es zeit abschied zu nehmen. Abschied nehmen ist immer doof. Ich wartete nicht, bis mama durch den check war, ich wollte es kurz und schmerzlos machen. ich drueckte sie einige male herzlich und gab ihr sogar ein kuesschen mit auf den weg. Danach ging ich dann und stieg ins taxi. Im taxi dann hatte ich dann doch allerdings pipi in den augenwinkeln. Muttern weinte auch wie sie mir spaeter erzaehlte. Was ja auch ganz normal ist. Wer bei dem zeichentrickfilm pocahontas weint, darf auch in so einer situation weinen.

Im august komme ich wieder.

Sonntag, 28. Dezember 2008

weihnachten in nicaragua.

bereits anfang november wurde die weihnachtszeit durch plastikweihnachtsbaeume, bunten lichterketten und –spielen, kitschigem christbaumschmuck und anderem zuckersuessem krimskrams in den schaufenstern eingelaeutet. Bei mir konnte das alles allerdings keine weihnachtliche stimmung ausloesen – was man sich bei 25 grad celsius und palmen statt tannen bestimmt recht gut vorstellen kann. umso skuriller war die vorstellung, dass der erste schnee in deutschland bereits mitte november vom himmel fiel.

ein wichtiges instrument zur weihnachtlichen stimulierung der gemueter ist die musik. weihnachten ist die zeit der besinnung, der ruhe, fuer manche sogar die zeit der liebe. dementsprechend sachte ist dann auch die musik die gehoert wird. weihnachtslieder, zum grossen teil gesungen von chorknaben mit engelsstimmen (whams alljaehrlichen weihnachtssmashhit “last christmas” lassen wir dabei mal ausser acht), tragen namen wie: “o tannebaum, o tannebaum”, “mal gucken was das christkind mir so mitbringt”, beliebt ist aber auch der klassiker “suesser die glocken nie klingeln”. in nicaragua laufen die dinge allerdings anders. statt ruhigem weihnachtsgedudel wird hier eher wert auf hueftschwingbare rhythmen gelegt. so werden auf der strasse weihnachtscds verkauft, die die marimbaversion von “jingle bells” oder den salsaremix von “we wish you a merry christmas”. da ist dann wirklich nix mit besinnung durch melodie oder so.

die zeit bis dezember verging wie im flug – allerdings war mir auch wenig tage vor weihnachten immernoch nicht weihnachtlich zu mute. das weihnachtsfest am heiligabend war dann auch kein richtiges fest wie ich es gewohnt war, was man mit der familie und geschenke auspacken verbringt. zwar wurde mir im vorfeld durch meine gastmutter bereits gross angekuendigt, dass man zu weihnachten gemeinsam mit der familie ein leckeres, spezielles weihnachtsgericht isst und eine schoene zeit zusammen verbringt. in der tat assen zum ersten mal seitdem ich hier bin alle leute in meinem haus zur selben zeit – allerdings nicht zusammen sondern in verschiedenen raeumen. so ass ich mit meiner schwester, oma und mutter am esstisch, mein gastvater und mein bruder speisten lieber vor dem fernseher. wo mein groesserer kleiner bruder ablieb ist mit bis heute ein raetsel. so viel also zu dem gemeinsamen essen. das essen war zwar lecker wie immer, aber halt wie immer. es gab nichts aussergewoehnliches, sondern “nur” huehnchen, salat, frittierte kartoffelscheiben (also pommes) und cola. als sich nach dem essen wieder alle leute ihren eigenen sachen widmeten fragte ich ganz verdutzt, ob denn keine geschenke ausgetauscht werden. sie schuettelte nur den kopf und meinte, dass es letztes jahr auch keine geschenke gab. ich weiss nicht, ob dass damit zu tun hat, dass doña norbis, also meine gastmutter vor einigen jahren der evangelischen kirche beigetreten ist, die ziemlich schraeg drauf sind hier. auf jeden fall war ich eher enttaeuscht, da ich 2h lang meine geschenke fuer alle familienmitglieder, die mir mama aus deutschland geschickt hat bzw. ich waehrend meines urlaubs in guatemala gekauft habe, hysterisch eingepackt habe und noch gerade so vor dem essen fertig geworden bin. vor dem essen wurde mir von doña norbis im vorbeigehen ein hemd in die hand gedrueckt – unverpackt – mit der bemerkung, dass don Ramiro mir das hemd in esteli gekauft hat und mir es gerne zu weihnachten schenken wuerde. das hemd war wirklich schoen und ich hab mich wirklich gefreut, allerdings gab das trockene, unverpackte ueberreichen des geschenks einen leicht faden beigeschmack. es schien fuer mich wohl keine moeglichkeit zu geben, meine geschenke im beisamensein aller zu verteilen. kurzerhand entschloss ich mich, die geschenke einfach, american style maessig, auf den wohnzimmertisch zu legen, nachdem ich spaet nachts von der grossen weihnachtsparty wieder kam, die echt gut war!

ich glaube weihnachten war der erste tag ueberhaupt in nicaragua, an dem ich deutschland vermisste und mich, auch wenns nur fuer einen moment war, zurueck nach shs wuenschte.

Samstag, 22. November 2008

endgueltige ergebnisse der wahlen

am donnerstag wurden die endgueltigen ergebnisse vom cse bekannt gegeben, gemaess dem gesetz, dass nach spaetestens 12 tagen nach den wahlen klarheit fordert.
rivas verkuendete wie schon zuvor die ergebnisse jeder einzelnen stadt und jedes einzelnen municipios im fernsehen.
insgesamt wurde in 146 staedten gewaehlt.
die fsln konnte in 105 staedten gewinnen. 4 jahre zuvor hatte die frente "nur" in 83 gewonnen.
die plc konnte in 37 staedten gewinnen, die verbuendete aln in 5.
in condega konnte man die ganze nacht ueber feuerwerkskoerper knallen hoeren.
nach diesem ueberragenden erfolg gab es in managua eine grosse feier zu der alle 105 neuen buergermeister eingeladen wurden, ortega eine rede hielt und der platz der rede bis zum horizont mit menschen gefuellt war. aus condega fuhren am morgen extra busse los, die die menschen nach managua verschifften sollten. dieser service war fuer alle umsonst.
natuerlich erklaeren die liberalen fuehrer die wahlen nach wie vor fuer ungueltig, da nicht rechtens durchgefuehrt. tumulte gibt es in managua oder leon aber kaum noch, die lage hat sich beruhigt.
nachdem die wahlen vorbei sind, wird im fernsehen vermehrt ueber die wahlen in venezuela berichtet. die fsln ist ein grosser verbuendeter vom jetzigen praesidenten hugo chavez. zudem gibt es im januar wahlen in el salvador, die hoffentlich von der fmln gewonnen werden.
spaetestens dann werden wir sehen, ob der links- trend in lateinamerika weitergeht.

Mittwoch, 19. November 2008

die zeit nach den wahlen

Die Zeit nach den Wahlen war aeusserst turbulent. Waehrend am Sonntagabend ueberall im Land die Sandinisten ihren ueberragenden Sieg in Condega, in der Hauptstadt Managua, fast allen Departamentos und in ueber 94 Staedten feierten, waren die Liberalen recht ruhig und zogen sich in ihre Haeuser zurueck – in dieser Nacht gab es keine grossen Ausschreittungen.
Am Montag aber gab es die ersten Tumulte in Managua. Im Fernsehen wurde am Vormittag ein Fernsehinterview des Kandidaten Montealegre fuer die Liberalen in Managua gezeigt, der sich selbst zum Sieger erklaerte, die Wahlen in der Hauptstadt als nicht sauber beschrieb, somit das Erbebnis der unabhaengigen Wahlkomission CSE als ungueltig erklaerte. Er forderte seine Anhaenger dazu auf, auf die Strasse zu gehen und dagegen zu protestieren. Man koennte sagen, er untergrub die Demokratie.
Schon bald standen sich die ersten Liberalen und Sandinisten auf der Strasse gegenueber, was zu beginn relativ gewaltlos ablief. Am Dienstag wurden die ersten Gewaltbilder gesendet. Man sah Menschen mit roten Fahnen und PLC T-Shirts, die Steine wurfen, Baseballschlaeger trugen, Privat- und Staatseigentum zerstoerten. Die Familie eines ranghohen FSLN Politikers wurde in ihrem eigenen Haus ueberfallen und angegriffen. Strassenblockaden wurden mit brennenden Reifen errichtet – anhaltende Autos mit FSLN Fahnen oder Aufklebern und deren Insassen mit Baseballschlaegern angegriffen. Die Meldung von zwei Toten in Managua machte sich breit.
Am Mittwoch die selben Bilder; ein Reporter des regierungsnahen Radios “Radio Ya!” wurde aus seinem Auto gezerrt, auf offener Strasse von mehreren Personen krankenhausreif geschlagen und das Auto letztendlich in Brand gesteckt.
Um den Tumulten auf der Strasse einhalt zu gebieten und die Liberalen zu besaenftigen, ordnete der President der Wahlkomission CSE, Rivas, am Mittwoch eine Neuauszaehlung aller Wahlzettel in Managua an. Damit konnte er die Stimmung nicht beruhigen – ganz im Gegenteil. Nun fuehlten sich die Sandinisten hintergangen und sich ihres Sieges betrogen. Mit Steinen, Holzknueppel und selbstgebastelten Minibazookas richteten sie ihre Agressionen gegen die Liberalen. Im Fernsehen liefen rund um die Uhr buergerkriegsaehnliche Bilder.
Am Folgetag verkuendete Rivas dann das endgueltige Ergebnis. Die FSLN gewann demnach in Managua mit ueber 51%, die Liberalen erreichten etwa 45%, die genauen Zahlen sind mir nicht praesent. Das konnte die Gemueter ein wenig beruhigen, vor allem da sich zahlreiche Politiker der PLC/ALN – bis auf Montealegre – an das Volk wandten und den FSLN-Kandidaten Alexis Arguello als ihren neuen Buergermeister anerkannten.

Das Problem ist, dass man den Medien hier nicht vertrauen kann – alle sind durch irgendeine Partei gefaerbt, es gibt keine unabhaengige und neutrale Berichterstattung.
So erschien in der Zeitung am Mittwoch nach den Wahlen das Bild von zahlreichen Saecken auf einer Muellhalde in der Stadt Leon, gefuellt mit Wahlzetteln, die alle mit einem Kreuzchen fuer die PLC versehen waren. In Leon hatte die FSLN gewonnen. Steckte dahinter nun Wahlbetrug durch die FSLN oder eine Propagandaaktion der PLC um die Massen zu mobilisieren und das Ergebnis in Leon fuer ungueltig zu erklaeren und Neuwahlen durchzusetzen?
Fuer mich haben die Wahlen mehr Fragen aufgeworfen als Ergebnisse gelieftert. Nicaragua ist ein Entwicklungsland – auch was die Demokratie betrifft.

Sonntag, 9. November 2008

wahlen in nicaragua

heute moechte ich euch von den wahlen hier berichten.
am heutigen sonntag finden im ganzen land die kommunal- und landtagswahlen statt (wenn man das so uebersetzen will!)
das thema bestimmt schon seit wochen die nationale presse. ich kann nicht sagen, wie das so auf dem fernsehsender der liberalen ablaeuft, da bei uns immer nur der sandinistensender laeuft, aber dort wurden schon bei meiner ankunft im august die ersten wahlwerbespots gezeigt. die wahlhysterie wurde eigentlich nur an einem tag unterbrochen: an dem tag der us-wahlen, die wenigstens fuer 24 h das nationale fernsehprogramm bestimmten.
der wahlkampf hier ist viel bissiger und haerter als in deutschland. so wird auch nicht vor persoenlichen beleidigungen halt gemacht. zu schmunzeln gibt es allerdings auch immer was; so zeigte der sandinisten-sender ausschnitte von seinem konkurrenten von vor 3 jahren ungefaehr, indem er seinen frueheren feind aber heutigen verbuendeten der korruption bezichtigte, da er selbst zeuge war! und heute machen die beiden gemeinsame sache, geben sich als beste freunde aus und kaempfen gegen die fsln. die glaubwuerdigkeit der politiker ist hier nicht so gross.
seit gut 2 wochen gab es an fast jedem tag eine karawane auf der strasse, die vor allem bei den kindern und jugendlichen grosse begeisterung fanden. da ich mir nur die karawanen der fsln genauer unter die lupe genommen habe, kann ich nur von ebendiesen berichten. im vorfeld wurden tausende von t-shirts verteilt (wovon ich auch eins ergattern konnte), rot-schwarze flaggen, aufkleber, flyer und was weiss ich nicht alles! die strassen sind hier alle entweder mit rot-schwarzen fahnen oder mit roten (die liberalen) geschmueckt, die lichtmasten sind in ebensolchen farben eingepinselt. der wahlkampf ist ueberall und zu jeder zeit gegenwaertig!
bei den karawanen machten alle mit: fahrradfahrer, motorradfahrer, autofahrer. und die leute die kein fortbewegungsmittel hatten, jubelten vom buergersteig aus. an den kleineren maerschen nahmen ungefaehr 200 leute teil. die karawanen spiegeln die politischen machtverhaeltnisse in condega sehr gut wieder: stets waren die maersche der fsln um einiges groesser als die der liberalen, die teilweise nur aus 3 wagen bestanden.
am 05.11.08. fand ein riesiger marsch der flsn statt, der zugleich die wahlkampfphase abschloss. der zug war ca. 1.5 km lang, bestand aus ueber 140 autos, pick ups, kleinlastwagen, lastwagen und vollbesetzten bussen! (fahrradfahrer und motorradfahrer nicht mitgerechnet!) da war wirklich die hoelle los. anschliessend gab es noch eine wahlkampfrede von den oertlichen kandidaten und danach eine grosse strassenparty, auf der sich auch der ein oder andere liberale blicken liess.
eigentlich hat hier jeder eine partei. ich habe noch kaum einen getroffen, dem die politik schnurz piepe ist. das fasziniert mich an diesem land, und von dieser politikbegeisterung koennten sich die deutschen ruhig mal eine schnitte abschneiden. autokarawanen findet man in deutschland sonst ja nur zu sportlichen ereignissen vor. allerdings, und das ist der grosse kontrapunkt, folgen zu viele leute hier der parteilinie blind. was die partei sagt, ist gesetz. es wird zu wenig kritisiert und diskutiert innerhalb der partei (das ist zumindest mein eindruck). die diskussion ist das wichtigste werkzeug der demokratie.
ich schweif schon wieder vom thema ab:
die wahlen bestimmen den alltag. das hat man auch in den letzten drei tagen gemerkt, indem das ruhegesetz zur geltung kam. das besagt naemlich, dass 3 tage vor der wahl weder alkohol verkauft werden darf, noch politische propaganda betrieben werden darf. zudem durfte man sich ueber einen arbeitsfreien freitag, samstag, sonntag und montag freuen. wahlen koennte es ruhig oefters geben.
das solls erst einmal von diesem thema gewesen sein. in den naechsten tagen werde ich natuerlich darueber berichten, wer die wahlen in condega, im municipio esteli und insgesamt so in nicaragua gewonnen hat.
da in INPRHU eine wahlstaette eingerichtet wurde, werde ich mir das heute mal genauer angucken.
bis die tage.
der jannik.

Montag, 20. Oktober 2008

die welt ist ein dorf und andere sachen.

¡buenas!
die welt ist ein dorf und in keiner noch so kleinen strasse ist man vor uns deutschen sicher.
innerhalb von 3 tagen habe ich 2 neue leute aus deutschland (ich zaehle die schweiz an dieser stelle einfach mal zu deutschland). am freitag wurde mir noemi, aus der schweiz, vorgestellt. sie wird hier fuer 4 monate bleiben und in einem landwirtschaftsprojekt arbeiten. sie wohnt im haus meines gastonkels sozusagen, also beim bruder von ramiro, was gleich ums eck ist.
kurios war das kennenlernen christians. ich sass gestern gelangweilt im internetcafe und auf einmal geht vor mir ein unwahrscheinlich grosser rucksack auf und ab, zu dem ein ca. 1.90 grosser, blonder, blauaeugiger junger mann gehoerte, der mich zunaechst jedoch nicht bemerkt zu haben schien. misstrauisch beobachte ich das ganze aus sicherer entfernung hinter meinem bildschirm, der mir als deckung diente. ich weiss nicht warum, auf jeden fall fragte mich der rucksack oder sein besitzer, nach einem laengeren blickkontakt und einem gleichzeitigem moment der stille, verdutzt ob ich deutsch sprechen koennte. es bleibt mir ein raetsel wie er auf die idee kam, ich waere deutscher, schliesslich habe ich nach 2 monaten nicaragua schon eine beachtliche braeunung vorzuweisen! so redeten wir ein wenig, ich zeigte ihm die stadt und abends wurde der billigste rum (caballito) mit marcel platt gemacht. christian ist ein echter abenteurer. er reist seit 2 monaten durch ganz zentralamerika ohne einen richtigen plan wohin er will und wann er seine reise beenden wird. hier wird er jedoch fuer einen monat bleiben, da er im centro de salud arbeiten wird (er hat sein medizinstudium vor 5 monaten beendet) und zudem aus loehne kommt, was ja die partnerstadt von condega ist.
anna lena, farai und yalanuh haben uns auch am wochenende besucht. noch mehr deutsche also in condega. waere ich nica, waere ich schon fast ein wenig von den vielen deutschen genervt! das ganze nimmt ja fast touristische anmasse an.
naja, sonst ist hier nicht so viel los. ich werde demnaechst wohl bei einem jugendtreffen der fsln teilnehmen und aktiv den wahlkampf durch propagandaarbeit unterstuetzen.
zur zeit ist hier auch hurricanesaison. im fernsehen sieht man nur ueberflutete landstriche. wir kriegen davon allerdings nicht soviel mit, obwohl es manchmal schon richtig gallert! bei uns ist bestenfalls mal die ein oder andere bruecke ueberflutet, was aber auch schon recht eindrucksvoll ist.
so. ich muss jetzt arbeiten. ich melde mich die tage mal wieder. zudem plane ich seit einem monat schon meinen ersten zeitungsartikel im kopf, demnaechst werde ich evtl mit schreiben anfangen!

Mittwoch, 8. Oktober 2008

saludos deportivos/ sportliche gruesse

am samstag hatte ich mein erstes punktespiel mit meiner mannschaft "america", die aus ca. 15 jugendlichen besteht, die keine feste arbeit haben (wie so viele hier) und sich waehrrend der woche allesamt im park in condega ihr geld verdienen und dort entweder schuhe putzen, an staenden essen oder gebrannte cds verkaufen oder aber auch taxi fahren.
demnach werden die spiele am wochenende immer mit spannung von allen erwartet, da es ein wenig ablenkung vom alltag bietet.
unser gegner war eine mannschaft aus ducuale - eine comunidad, keine 15 minuten mit dem fahrrad weit entfernt, in der ich schon des oefteren war. diesmal waren sogar alle einheitlich gekleidet, mit trikots, hosen und stutzen. ich fiel also nicht nur aufgrund meines chele-daseins auf, sondern auch dadurch, dass ich der einzige auf dem platz war, der keine teamuniform trug.
der platz auf dem wir spielten war gruen. sehr gruen. der rasen war ca. 20 cm hoch, man musste also ordentlich gegen das runde treten um voran zu kommen. als ich fragte, wann der rasen gemaeht wird, antwortete mario mir, dass der nach dem spiel gemaeht wird. achso, das ist natuerlich schlau - nach dem spiel! das spielen wurde ausserdem durch riesige, seenartige pfuetzen und riesige moorartige schlammfelder behindert. eine schlammschlacht.
da ich ein wenig zu spaet kam, durfte ich die erste viertelstunde von draussen aus zugucken, wurde dann aber eingewechselt und durfte links im mittelfeld spielen. da fuehle ich mich wohl - das durfte ich in deutschland ja nicht!
der gegner ging nach 30 minuten durch einen schwach getretenen freistoss in fuehrung, da unsere mauer ihren allerwertesten einzog und unser torwart den ball nicht festhalten konnte. ein stuermer war sofort zur stelle und musste den ball nur noch trocken reinschieben. das tor hat uns wachgeruettelt und wir wurden offensiver und hatten das spiel klar unter kontrolle.
nach einigen guten aktionen von mir, die allerdings keine tore mit sich brachten, gingen wir in die halbzeit.
in der vorletzten minute erzielten wir schliesslich noch das 1:1 unentschieden. erneut fiel das tor aufgrund eines fatalen torwartfehlers. nach ca. 7 minuetiger nachspielzeit pfiff der schiri das spiel ab.
das naechste mal spiele ich sogar zentrales mittelfeld. hoffentlich ist bis dahin der rasen auf halbmast gekuerzt oder so. dann werde ich naehmlich ordentlich die sau raus lassen.

soviel erstmal zum fussball.
neben altbekanntem entdecke ich hier aber auch neue sportarten fuer mich.
nachdem ich vor 2 wochen in der disco public-viewing boxen geguckt habe ("el matador" aus nicaragua hat gegen einen gringo gekaempft - und leider verloren) war ich gefesselt von dem sport und habe mich bereits mit meinem guten freund und fastnachbar michael vor seinem haus gepruegelt. natuerlich nur auf rein sportlicher basis mit den dazugehoerenden boxhandschuhen und auch nur suave - also sachte. spass hats trotzdem gemacht. und nicht nur ich hatte meinen spass. auch die zuschauenden leute kamen auf ihre kosten, da mein versuch, wie mohammed ali durch den ring zu huepfen und immer in bewegung zu sein, wohl so ziemlich spastisch rueberkam.
eine weitere sportart die ich mir fuer meine spaetere profikarriere durchaus sehr gut vorstellen kann, ist american football. auf jeden fall habe ich das heute mit den kindern bei inprhu gespielt und ich war kaum aufzuhalten! erst zu siebt und mit der hilfe eines strassenhundes konnten sie meinen astralkoerper baendigen. gallo pinto ist mein energizer!

Sonntag, 5. Oktober 2008

ich habe das gefuehl, ich bin kurz davor, einen gerade erst neu gewonnenen freund, mit dem ich bereits sehr viel erlebt habe, wieder zu verlieren.
er ist ein sehr guter freund. er hat mir unglaublich viel von den leuten hier, von der geschichte des landes und von den problemen des landes erzaehlt. dabei hat er seine probleme anscheinend vollkommen ausser acht gelassen und mir verschwiegen.
wir hatten anderthalb monate, in denen wir viel gelacht haben. bereits an meinem ersten tag bei INPRHU hat er mich so offen und selbstverstaendlich aufgenommen wie kein anderer.
vor diesem mann habe ich sehr grossen respekt (ohne zu uebertreiben: so grossen respekt hatte ich noch vor keiner person), da er bereits sehr viel erlebt hat, viele erfahrungen gemacht hat und mich in unzaehligen gespraechen an diesen erfahrungen teil haben liess.
von diesem mann habe ich sehr viel gelernt, zum beispiel wie man sich ohne kompass in der freien wildbahn orientieren kann, wie man bananenstauden pflanzt oder welche pflanze das beste heilmittel gegen durchfall ist. doch der austausch von infortmationen war nicht einseitig, auch ich konnte ihm viel vom leben in deutschland berichten .
unsere freundschaft hatte viele facetten. mit dem fahrrad, was er mir fuer dieses jahr geschenkt hat (ich musste nur die reparatur bezahlen - so haben wir beide was davon), erkundeten wir weite teile der umgebung - selbst reissende fluesse konnten uns nicht aufhalten.
so wie es aussieht, kann ihn nur der alkohol aufhalten.
in den letzten 3 tagen ist der rund um die uhr betrunken. ich erkenne diesen aufrichtigen mann nicht mehr wieder, er ist nur noch ein schatten seiner selbst. es ist wirklich erschreckend, was alkohol aus einem menschen machen kann. sein sprachfluss wird vom alkohol beeinflusst, seine koerperhaltung, seine mimik, seine gedanken. einfach alles. jedes mal wenn ich ihn so antreffe, frage ich mich, wie das in kuerzester zeit - von einem tag auf den anderen- passieren konnte.

in letzter zeit muss ich oft an ihn und seine familie denken. was bewegt diesen einst so aufrichtigen und starken mann dazu, derart abzudriften?
die situation scheint einfach surreal zu sein. das menschen sich so schnell veraendern und abstuerzen habe ich nicht fuer moeglich gehalten.

Samstag, 4. Oktober 2008

musik in nicaragua.

in nicaragua sind die strassen gefuellt mit musik.reggaeton, bachata, salsa, merengue... aus allen haeusern stroemt musik. es ist ein herrliches gefuehl, die strassen zu durchqueren, die sonne scheint und im hintergrund zwitschern die voegel und zirpen die grillen zu der musik. wer schon einmal auf einem festivalcampingplatz war, weiss wovon ich rede!damit ihr auf dem neuesten stand der nicaraguanischen charts seid, stelle ich nun eine liste der lieder online, die hier am haeufigsten gehoert werden oder die mir einfach am besten gefallen.ein stueck nicaragua von mir - fuer euch!rigo tovar - cuando tu carino
http://www.youtube.com/watch?v=dZYmR-VOym0
schmusesaenger rigo Tovar schafft es einfach jedesmal, dass es den frauen bei seiner sanftweichen stimme warm ums herz wird - genauso wie mir!

aventura - cuando volvereas
http://www.youtube.com/watch?v=DV503FJxtoE&feature=related
aventura! Als ich das lied zum resten mal im fernsehen gesehen habe, habe ich mich sofort in die zarten klaenge der schmusebarden verliebt! Wenn in der disco aventura kommt, haelt mich nichts mehr auf den sitzen. Ich liebe bachata – ich liebe aventura. Deshalb gleich 3 lieder von meiner neuen lieblingsgruppe.

Aventura – ensename a olvidar
http://www.youtube.com/watch?v=2UzbsqyUiZw
das lied geht mir nicht mehr aus dem kopf. Zeig mir, wie ich es vergessen kann!

Aventura – mi abuelita
http://www.youtube.com/watch?v=6xSBpFFMgUw&feature=related
das geht raus an alle omis und omas auf der welt. Hier in condega ist alles sehr familiaer – es ist nicht unnormal, wenn in einem haus 4 generationen zusammenleben.

la misma gente - mi abuelo
http://www.imeem.com/people/ia7bSP/music/RJwI1rbV/salsa_la_misma_gente_mi_abuelo/
diesmal zu ehren aller opas, denn das maennliche geschlecht soll auch nicht zu kurz comen!

Donnerstag, 25. September 2008

endlich wieder da...

¡buenas!
eine ganze weile ist seit meinem letzten blogeintrag vergangen. ich bin faul geworden. das allerdings nur, weil ich mich jeden tag aufs neue bei der arbeit verausgabe und blut schwitze. mehr oder weniger.

es hat sich viel getan in den letzten tagen.

so war ich schon kurz davor mir in el mojon, einem dorf unweit von condega, mir ein grundstueck inkl. kleiner huette fuer 5000 cordoba (ca. 170 euro) zu kaufen. der grundstein fuer meine spaetere existenz hier in nicaragua waere damit gelegt. ausserdem liegt das haus in unmittelbarer naehe eines flusses, der sehr idyllisch ist und zudem noch sauber ist - was in nicaragua nicht allzu oft vorkommt.
ich habe mich entschieden aufs shakira konzert zu gehen. nicht dass ich die musik gut finde oder so, aber wenn der eintritt nur 15 dollar kostet (in deutschland bestimmt das drei- oder vierfache!) und man dafuer eine der heissesten frauen wo gibt sehen kann, dann lohnt sich das alle male! wir planen mit ein paar leuten von inprhu und mit meiner guten freundin mariling (die mir in ihrer kleinen pulperia das tanzen beibringt) dahin zu fahren.
die arbeit bei inprhu wird von mal zu mal stressiger da die kinder von tag zu tag anhaenglicher werden (genauso wie die moskitos habe ich das gefuehl) und immer mehr und mehr kinder den jannik reiten wollen (sprich: huckepack). mein rekord liegt bei 3.5 kinder auf meinem ruecken. allerdings waren alle aeusserst kleine exemplare.
gestern habe ich bei der arbeit mein erstes kind ueberhaupt zum weinen gebracht. ich bin ein wenig stolz, dass ich dafuer so lange gebraucht habe, denn wir toben immer sehr viel rum! ich habe den kindern ein neues spiel gezeigt. karussel. ich nehme ein kind bei den haenden und schleuder es mit voller wucht durch die luft. oft wird mir davon schwindelig. aber das macht mir nichts aus. naja, auf jeden fall war ich so am rumwirbeln und im selben augenblick durchkreuzt ein laufendes kind die flugbahn des herumgeschleuderten. punktgenau landen die fuesse des, sich waagerecht in der luft befindenen, kindes in den weichteilen seines kameraden. alleine der anblick hat mir erhebliche schmerzen bereitet! nach 15 minuten sinnflutartigen heulens waren die traenenkanaele des kleinen erschoepft und es konnte so langsam aber sicher wieder seine gesichtszuege zu einem laecheln formen.

mit meinem bauch und meiner verdauung ist alles in ordnung. ich habe bereits des oefteren sachen getrunken und gegessen die ich nicht haette trinken und essen sollen und es ist rein gar nichts passiert! anscheinend gewoehnt mein magen sich schneller als ich dachte an die umstaende hier.

mit dieser frohen nachricht beende ich meinen blogeintrag fuer heute. ich nehme mir vor, in naechster zeit wieder mehr zu schreiben.
vamos a ver ob das klappt.

Freitag, 5. September 2008

03.09.08, Tag 20

Der tag beginnt mit stuhlgang. Ich habe auch weiterhin durchfall, doch diesesmal muss ich zudem entsetzt feststellen, dass sich blut dazu gesellt hat. Bauchschmerzen hab ich aber keine! Anscheinend wird es trotzdem zeit zum arzt zu gehen.ich fuehle miche in wenig schlapp und kriege nur 3-4 happen cornflakes runter. Bei der arbeit werde ich von allen leuten gefragt, ob ich muede sei. Vermutlich kann man es mir ansehen, dass etwas nicht mit mir stimmt. Nachdem ich meine kollegen aufklaere, sind sic h alle einig, dass es hoechste zeit ist zum arzt zu gehen. So schlimm fuehle ich mich zwar gar nicht, aber ich bin einverstanden! Der gang in die klinik ist mir auf jeden fall die erfahrung wert! Da ich kein geld habe und der doktor erst am nachmittag auf hat, gehe ich in die klinik, wo angeblich alles umsonst ist (was ich nicht so recht glauben kann!). mario begleitet mich und hilft mir bei der verstaendigung mit dem arzt und den krankenschwestern. In der klinik ist alles so, wie man eine klinik in den tropen aus dem fernsehen kennt. Es ist heiss (obwohl in jedem raum ein ventilator ist), es scheint nicht so steril und sauber wie in deutschen krankenhauesern zu sein, alles ist eher sporadisch eingerichtet. Im gegensatz zu den filmen fehlen allerdings die massen an blutenden verletzten die malariaverseucht um ihr leben kaempfen. Aber es gibt sehr viele schwangere frauen oder frauen die mit ihren kindern da sind. Da muss ich gleich an farina denken, die ja auch traechtig ist! Nach 15 minuten darf ich meine stuhlprobe machen. Danach muss ich ca. Eine stunde warten und kriege das ergebnis mitgeteilt: ich habe schaedliche bakterien und amoeben und sowas intus! Der doktor gibt mir tabletten mit. Jetzt darf ich 5 tage lang alle 6 stunden tabletten schlucken. Juchu! Zudem kriege ich noch diverse packungen pulver mit, die ich mit wasser verduennen muss um nicht zu dehydrieren! Das ganze schmeckt wie salzwasser und ich frage mich, ob das nicht eher das gegenteil bewirkt. Seis drum. Es ist wirklich alles umsonst! Mein erster eindruck vom gesundheitssystem ist durchweg positiv. Vor allem habe ich im fernsehen gesehen, dass viele aerzte hier in kuba studiert haben. Und es ist ja allgemein bekannt, dass das kubanische gesundheitssystem das veste aller dritter welt laender ist (und auch noch besser als das in den usa!).

Keine halbe stunde spaeter plagen mich magenkraempfe. War mein arzt vielleicht doch nicht auf kuba und hat dort seine aerztliche einweisung erhalten?

Bei der arbeit spiele ich viel trompo. Endlich gelingt es auch mir einmal, den kreisel zum tanzen zu bringen! Dieses erfolgsgefuehl scheint sogar ein wenig den schmerz zu lindern.

Tati ruft mich. Jetzt gibt es richtige arbeit. Ich darf herzchen fuer die capacitación, fuer den kurs am Sonntag, ausschneiden. tati scheint beleidigt zu sein, da ich eine viel schnellere, effektivere und bessere methode habe, die herzcehn auszuschneiden! ich geniesse den moment des triumphes.

Danach ist spanischkurs. Anders als frueher bei frau balters passe ich diesesmal nicht auf und schlafe. Anders als frueher bei frau balters ist der spanischunterricht sehr langweilig.

Zuhause esse ich und lege mich schlafen. Die bauchschmerzen sind inzwischen passe.

Dienstag, 2. September 2008

30.08.08, Tag 16

heute durfte ich wieder ausschlafen. bis 8 uhr lag ich also im bett und plante meinen tag: wasser kaufen, terminkalender kaufen, internetcafe, moeglicherweise sogar noch eine condega besichtigungstour mit meinem kleinen gastbruder juan, danach das neue fussballteam trainieren und dann in der oertlichen disko abfeiern.
in einer der beiden schreibwarenlaeden in condega gab es tatsaechlich einen terminkalender! allerdings habe ich erst zuhause gemerkt, dass der kalender fuer die jahre 2004 - 2007 gueltig ist. hier ticken die uhren halt anders. ein beweis dafuer ist ua auch an meinem arbeitsplatz zu finden: dort haengt ein kalender aus dem jahre 2002 - also fast noch aus dem letzten jahrhundert wenn man so will.
im internetcafe hat dieses mal endlich das headseat funktioniert. so konnte ich ca 40 minuten lang mit meiner familie telefonieren. am ende hat mich das gespraech ca. 70 cent gekostet!
es war sehr wohltuend endlich mal wieder alle stimmen zu hoeren. papa hatte einen tag zuvor wohl zu viel kuchen gegessen und musste sich mehrmals am tag uebergeben. allerdings nicht als wir miteinander telefoniert haben!
endlich regnet es hier auch! aus eimern! und das seit ca. 3 tagen.
nach dem mittagsessen bin ich mit juan und adiac losgegangen um die stadt zu erkunden. oben am flugzeug (was die sandinisten im guerillakrieg abgeschossen haben und nun wie eine trophae auf einem huegel ueber der stadt ausgestellt ist!) hatte man eine super aussicht auf alles! man konnte sogar erahnen wo mein haus ist! von dort habe ich wirklich eins a fotos geschossen!
fussballtraining viel flach weil mario nicht da war und ich so nicht nachfragen konnte wo und wann das stattfindet. egal - naechstes mal!
abends sind wir in die disko gegangen!dort hat manuel mich zu allererst einem recht niedlichen maedchen vorgestellt. das hatte er schon am vortag gross angekuendigt! ich musste mit ihr tanzen - wurde regelrecht dazu gezwungen! und da wir praktisch die einzigen auf der tanzflaeche waren, ich sowieso als chele alle blicke auf mich zog, nicht wusste WIE ich mit ihr tanzen sollte und zudem noch nuechtern war, fuehlte ich mich recht beschissen! nach ca. 10 minuten - gefuehlten 2.5 stunden, hatte das debakel ein ende und ich goennte mir das ein oder andere bier.
der spruch, dass das bier hier wie wasser schmeckt, schien super anzukommen und ein richtiger partybrueller zu sein. jedes mal, als die liter flasche leer war, groellten wir alle zusammen "AGUA!!!" um neues bier zu beordern.
schliesslich wurden wir uebermutig und wollten bier mit rum mischen. zum glueck reichte unser geld dazu nicht aus! im nachhinein schien das wirklich ganz gut zu sein!
nichtsdestotrotz war der abend ein voller erfolg! ich tanzte mit ganzen 4 maedchen. in deutschland brauch ich dafuer ein halbes jahr! auch wenn meine letzte tanzpartnerin eine prostituierte gewesen sein sollte (was ich vorher nicht wusste und ein streich von meinen mitarbeitern und freunden war!), war der abend wirklich sehr lustig!
um 1 uhr schloss die disko ihre pforten und wir gingen bespasst nacht hause!

Samstag, 30. August 2008

freitag, 29.08.08, tag 15

ich habe das gefuehl, dass die muecken mich jedes mal verschonen wenn ich ohne moskitonetz schlafe. schlafe ich jedoch mit netz, so sehen es die muecken wohl als herausforderung an mich zu stechen und entwickeln eine art sportlichen ehrgeiz. blutgedoped zerstechen sie dann mein halbes bein und erst nach einem reichhaltigem fruehstueck zur blutaufarbeitung, ist es fuer mich taeglichen aufgaben nachzugehen.
bei dona etna habe ich ohne netz geschlafen und dementsprechend munbter und unversehrt wache ich auf!
ich begleite till auf seiner busfahrt zur sprachschule, steige jedoch schon eher aus, da ich mich mit lena treffen werde um zusammen einkaufen zu gehen und ihr beim backen eines kuchens zuzusehen.
leider werde ich auch in esteli nicht fuendig auf meiner suche nach einem terminkalender. dafuer gibt es hier einen richtigen supermarkt! ich decke mich mit suessigkeiten ein, obwohl es die bestimmt auch in den pulperias in condega gibt. egal, hauptsache einkaufen im supermarkt!
ich bin aufgeregt wie vor der ersten fahrstunde. zum ersten mal soll ich alleine, wirklich ganz alleine, taxi und bus fahren. und das gleich von esteli nach condega - da fahert man ja immerhin eine ganze stunde!
ich schlag mich wacker - als ob ich mein ganzes leben lang nichts anderes gemacht haette - bezahl fuer das taxi sogar nur 8 cordoba und am busbahnhof frag ich zur sicherheit gleich 5 personen inklusive busfahrer in welchen bus ich steigen soll. alle antworten stimmen ueberein, was meine aufregung jedoch nicht im geringsten stillt, und so steige ich in einen auesserst komfortablen expressbus ein, der viel gemuetlicher und und nur 1-2 cordoba teurer ist als die ueblichen alten amerikanischen schulbusse.
schliesslich komme ich sicher in condega an!
ich esse zu mittag und lege mich schlafen. da ich um 14 uhr zur arbeit wollte kommt mamas weckender anruf um 13.40 gerade zur richtigen zeit! zuhause scheint bis auf papas magen alles in ordnung zu sein, was mich froh macht!
bei der arbeit findet heute ein kleiner zeichenkurs statt, der von manuel geleitet wird, der mindestens genauso gut wie albert zeichnen kann! es werden hunde gemalt. der erste hund gelingt mir ganz gut, der zweite, der eher einem pferd gleicht, ueberhaupt nicht. entnervt gebe ich auf und spiele lieber mit den kindern wasserbombenspiele und die einfache variante von voelkerball auf der strasse.
zudem suche ich 16 tu-woerter aus meinem woerterbuch, da ich am sonntag das pantomimespiel leiten soll.
angeblich gibt es hier in condega einen laden, der ua terminkalender verkaufen soll. morgen werde ich mir den mal naeher angucken!
ich fuerchte, dass ich wieder leichten durchfall kriege, zudem rumort es in meinem bauch staerker als in dem vulkan in masaya. aber schlimm find ich das eigentlich nicht, da dass ja auch wieder weggeht! meine laune wird davon nicht beeinflusst!
ich bin positiv und gehe schlafen!

donnerstag, 28.08.08, tag 14

heute musste ich um 5.30 aufstehen, da der bus den marcel und ich nach esteli nehmen sollten, bereits um 6.30 abfuhr. nach ca. einer stunde fahrt stehend im, wie immer, rappelvollen bus, kamen wir endlich in esteli an. dort wurden wir nach einer etwas verkuerzten taxifahrt (der taxifahrer hat uns ca. 3 bloecke zu frueh rausgelassen, wahrscheinlich weil wir zu beginn der fahrt den taxipreis von 12 auf 10 cordoba runtergehandelt haben!) bereits von unseren "deutschen kameraden" sehnsuechtig erwartet.
mit einem eigens verpflichteten fahrer machten wir uns auf den weg nach managua.
nach ca 1.5 h fahrt kamen wir in der deutschen botschaft an. das gebaeude ist sehr unscheinbar. der aufenthalt dort war auch alles andere als spannend, jeder musste zwei formulare ausfuellen, dann durften wir wieder gehen. ich setzte mein visum aufs spiel, indem ich einen kugelschreiber mitgehen liess. zum glueck wurde ich jedoch nicht dabei erwischt wie ich vater staat bestohl!
danach gingen wir in eine der megagrossen shopping malls, die nicht nur megagross sondern auch arschteuer waren. alles war sehr amerikanisch hier. burger king, donot king, nike shop, united colors of benetton, so hiessen die laeden hier - um nur einige zu nennen!
trotzdem war ich uebergluecklich als ich nach einer fast endlosen 20 minuetigen wartezeit meine erste pizza seit ueber 2 wochen in die hand nehmen und in den mund stecken konnte! sie schmeckte sehr gut und so haben sich die 7 dollar investition fuer lara, die 50%igen anteil trug, und fuer mich doch noch gelohnt.
unsere naechste station hiess masaya, ein vulkan ganz in der naehe von managua.
es war wie beim grillen: viel rauch!
sonst sah man leider nicht viel; keine lava und noch nicht einmal frisch aufsteigende asche oder so. wie oede!
wir wurden direkt von einem guide empfangen der uns gasmasken andrehen wollte. natuerlich dachten wir, dass das nicht von noeten sei und wollten lieber den ein oder anderen cordoba sparen und uns nicht wie die meisten bloeden touris ueber den tisch ziehen lassen.
keine 15 minuten spaeter wurden wir eines besseren belehrt: nach heftigsten hustattacken und derbem schwefelgeschmack machten wir uns wieder, diesmal jedoch mit brennenden augen, auf den rueckweg. nur kurz besuchten wir das nahe gelegene vulkan-museum, was ich an dieser stelle vulkanoseum nenne. im vulkanoseum konnte man viel ueber vulkane lernen. zudem trug sich till im dortigen gaestebuch als peter perle ein, was ich sehr originell fand und zur belustigung der truppe beitrug!
nachste station: der alte markt in masaya stadt!
der rueckweg nach esteli gestaltete sich als zerreissprobe. nach einem unfall auf der panamericana standen wir ca. 1.5 h im stau. aus einer urspruenglich einspurigen fahrbahn wurde kurzerhand eine drei bis vierspurige, da jeder moeglichst schnell dem stau entfliehen wollte.
dem gegenverkehr ging es genauso und so prallten also zwei autofronten aufeinander. es ging gar nichts mehr. chaos pur!
in esteli angekommen gingen wir noch in eine bar. dort trafen wir auf ca. 15 andere deutsche, die allesamt die sprachschule bei los pipitos in esteli besuchen. mittlerweile bin ich echt froh das es mich nicht nach esteli verschlagen hat, sondern nach condega, in einem vergleichsweise kleinem nest. in esteli ist alles hektisch - sehr laut und sehr viel verkehr - zudem sehr heiss! waeren in meiner stadt soviele deutsche haette ich angst, dass sich meine sozialen kontakte auf diese gruppe beschraenken wuerden, was ueberhaupt nicht in meinem interesse waere. zudem wuerde ich dann logischerweise nur noch deutsch reden und kaum spanisch. das waere bescheuert. zum ersten mal trank ich bier in nicaragua. ich war begeistert! hier wird das bier in literflaschen serviert, also ca. 3 mal so gross wie in deutschland. allerdings schmeckt das bier hier wie wasser und fliesst genauso schnell die kehle runter. nach eingigen interessanten gespraechen und regem erfahrungsaustausch legte ich mich halbbetrunken in mein gastbett bei till schlafen.

Donnerstag, 21. August 2008

unas cositas...

mittlerweile bin ich schon seit sieben tagen in nicaragua.
was hat sich da eigentlich so alles getan??
erst einmal:
nicaragua ist das beste land wo gibt!
die leute sind alle super nett und total offen, sprechen allerdings eine sprache, die gerade noch so als spanisch durchgehen kann. teilweise muss man wirklich 4 mal nachfragen um sachverhalte richtig verstehen zu koennen. allerdings bessert sich das verstaendnis fast von tag zu tag, man gewoehnt sich an die geschwindigkeit des redens, die woerter dringen wie maschinengewehrsalven aus den muendern, und auch an das extrem verbreitete nuscheln hier. die arbeit mit den kindern erleichtert mir so einiges. denn kinder ticken ueberall gleich! mit denen muss man naemlich gar nicht mal soviel reden um sich zu verstaendigen und spass zu haben!
und ueberhaupt: der einzige kulturschock denn ich bis jetzt erlitten habe, ist die tatsache, dass hier fast nur kinder rumlaufen. das ist aber auch kein wunder wenn man vorher in sennestadt zur schule gegangen ist! manchmal fragt man sich echt, wo die ganzen erzeuger der kinder stecken oder ob die kleinen sich einfach wie zellen aufteilen. ueber 40% der menschen ist noch im schulalter hab ich gehoert.
ein arbeitskollege mit dem ich mich besonders gut verstehe, obwohl ich ihn aufgrund seiner undeutlichen redensweise eigentlich ueberhaupt nicht verstehe, hat mir bereits viel von der sandinistischen revolution in den 70ern erzaehlt. er war selbst bei den sandinisten und hat eine kugel ins bein bekommen, was durch eine durchaus imposante narbe bezeugt wird. nach der siegreichen revolution ist er nach kuba gegangen um sich dort als soldat weiterzubilden. er selbst sagt, dass es nahe lag, aufgrund seiner erfahrung, vortan mit kindern zusammenzuarbeiten! wir haben immer viel spass und ich gruesse ihn stets mit "comandante!". er hat mir bereits erklaert, wie man sich auch ohne kompass in den waeldern orientieren kann (ua blaetter lesen, ameisenstrassen verfolgen). zudem will er mir sein altes fahrrad fuer das jahr ausleihen was wirklich sehr nuetzlich ist, da ich mir sonst eins gekauft haette. ich muss nur die reparatur bezahlen, die sich auf einige dollar beschraenken sollte. so haben wir also beide was davon!
soweit fuer heute.
saludos aus condega.
janet